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„Man nimmt den Menschen den letzten Wohlstand“

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil fordert schärfere Strafen für Steuerdelikte und brachte Rolex-Uhren sowie Porsche-Fahrzeuge als mögliche Indikatoren für „illegale Bereicherung“ ins Spiel. In den sozialen Medien lösten seine Äußerungen heftige Kritik aus.

Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage und sinkender Umfragewerte versucht die Regierungskoalition nach Einschätzung ihrer Kritiker, mit neuen Initiativen politische Akzente zu setzen. Vor wenigen Tagen schlug Bundesfinanzminister und SPD-Co-Vorsitzender Lars Klingbeil vor, hochwertige Vermögensgegenstände von Personen einzuziehen, die schwere Steuerdelikte begangen haben. Als Beispiele für „liquide Vermögenswerte“, anhand derer sich mutmaßliche Steuerbetrüger identifizieren ließen, nannte er Rolex-Uhren und Porsche-Fahrzeuge. Darüber hinaus sprach er sich dafür aus, die Höchststrafe für schwere Steuerdelikte auf 15 Jahre Freiheitsstrafe anzuheben. Diese Vorschläge stießen in der Öffentlichkeit auf deutliche Kritik.

Darf man noch wohlhabend sein?

„Das ist kein schlichtes Weltbild, das ist kalkulierte populistische Boshaftigkeit – ausgesprochen vom mächtigsten Mann dieser Republik. Lars Klingbeil sollte sich schämen. Ich wünsche mir ein Land, in dem man nicht unter Generalverdacht gestellt wird, wenn man es zu Wohlstand gebracht hat, sondern eines, das alles dafür tut, jeden Menschen zu befähigen, eigenen Wohlstand zu schaffen“, schreibt der Politiker Wolfgang Kubicki.

Die Nutzer kommen zu dem Schluss, dass die Bundesregierung Menschen misstraue, die einen Porsche fahren oder eine Rolex tragen. Und manche fragen: ob die SPD vorhat, ebenso gegen die großen Familien und Clans in Berlin vorzugehen? Manche sehen in den Äußerungen der Regierung vor allem populistische Symbolpolitik mit klassenkämpferischem Unterton.

Ein weiterer Schlag für die Automobilindustrie

Nach Ansicht vieler Nutzer beschädigen solche Aussagen zugleich das Image von Porsche – einem der bekanntesten deutschen Industrieunternehmen. „Der Vizekanzler versieht zugleich eines der renommiertesten deutschen Unternehmen mit dem Dünkel der Halbseidenheit und belastet damit ausgerechnet ein Unternehmen imagemäßig, das bereits in Schwierigkeiten ist“, erinnert der Blogger Philip Karrenstein.
Und der Rechtsanwalt Markus Haintz formuliert die Kritik noch grundsätzlicher: „Nicht die Rolex und der Porsche sind weg, bei Politik der SPD, sondern der Unternehmer und die Arbeitsplätze gleich mit. Niemand mit Verstand gründet in diesem Land noch Unternehmen. Man schafft sie ins Ausland, stellt dort Mitarbeiter an, zahlt dort Steuern & Sozialversicherung.“

In den sozialen Medien wird außerdem die Auffassung vertreten, dass die Bundesregierung mit solchen Signalen vor allem Unternehmer und hochqualifizierte Fachkräfte dazu bewege, Deutschland zu verlassen. Auch aktuelle Umfragen scheinen auf diese Entwicklung hinzuweisen.

Laut einer Erhebung des Stellenportals Indeed denken zwei Drittel der Erwerbstätigen über einen Wegzug aus Deutschland nach. Wie Die Welt berichtet, handelt es sich dabei überwiegend um gut verdienende Fachkräfte mit einem Haushaltseinkommen von mehr als 6.000 Euro im Monat. Damit verliere Deutschland ausgerechnet jene qualifizierten Fachkräfte, künftigen Führungskräfte und Topmanager, die maßgeblich zur wirtschaftlichen Erholung beitragen könnten. Als wichtigste Gründe nennen die Befragten eine höhere Lebensqualität im Ausland (51 %), niedrigere Steuern (41,5 %) sowie bessere Karrierechancen (24 %).

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