Jan A. Karon: Ceuta ist eine Exklave...
Ceuta ist eine Exklave (und nicht Enklave, wie hier vielerorts zu lesen ist), was deshalb wichtig ist, weil gerade der Status einer Exklave den Migrationsdruck und die aktuellen Bilder erklärt: Durch den Exklavenstatus ist der Kontinent Europa und die Europäische Union in Reichweite für Migranten, die durch Grenzübertritt ein Anrecht auf Prüfung ihres Asylanspruchs haben. In der Praxis wiederum bedeutet das, dass kaum ein Migrant zurückgewiesen wird, wenn er die Grenzzäune einmal durchbricht.
Zudem hat der spanische Oberste Gerichtshofs Ende Juni geurteilt, dass bei Seeankünften/Schwimmern keine sofortigen Rückführungen (devoluciones en caliente / rechazo en frontera) erlaubt sind. Es muss ein ordentliches Rückführungsverfahren greifen (Identifizierung, Anwalt, Dolmetscher, Möglichkeit eines Asylantrags). Wer Asyl beantragt, darf bis zur Entscheidung nicht zurückgeschickt werden.
Anders gesagt: Diese Menschen sind gekommen, um zu bleiben. Allein, weil Unterkünfte kollabieren dürften angesichts der schieren Zahlen, wenn alle zurückgehalten werden sollen. Die Europäische Union plus Dublin mitsamt ihres aus der Zeit gefallenen Asylrechts, das jedem Menschen Prüfung zugesteht, ist direkt dafür verantwortlich, dass es diese massenhaften Grenzübertritte gibt. Vor Sozialleistungen ist dieses verbriefte Recht schon der erste und womöglich wirkmächtigste Pullfaktor.
Deshalb sind das auch keine Fake News und keine Desinformation, wie Herr Knaus hier verlauten lässt, sondern vielmehr cherrypicking seinerseits. Menschen sehen diese Bilder und kommen völlig zurecht zur Annahme, dass diese Migranten nach Europa übersiedeln werden. Die Bevölkerungen Ceutas und Melillas werden übrigens aktuell überrannt, bisweilen verschanzen sich Menschen in ihren Wohnungen wegen des Ansturms. Es gibt Tote und das Militär ist ausgerückt. Lokale Medien und Politiker reagieren auf den Ausnahmezustand. Wie man angesichts dieser Zustände und dieser Bilder, die seit Jahren und Jahrzehnten in den Sommermonaten aufs Neue auftauchen, seinen Fokus auf Fake News legen kann (weil es ja zwei Grenzübergänge gibt), ist einigermaßen irritierend – gerade als jemand, der sich auf Migration spezialisieren will.
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