Dubravko Mandic: Fünf Messerstiche und trotzdem wird...
Fünf Messerstiche und trotzdem wird der Täter noch in derselben Nacht wieder freigelassen. Wie kann das sein?
Genau diese Frage stellen sich viele Opfer von Messergewalt, wenn sie das erste Mal mit der Realität des Strafrechts konfrontiert werden.
Für den Betroffenen fühlt es sich oft eindeutig an. Jemand sticht auf dich ein, du überlebst nur knapp und erwartest eine Anklage wegen versuchten Mordes. Vor Gericht sieht die Sache jedoch häufig anders aus.
Denn zwischen gefährlicher Körperverletzung, versuchtem Totschlag und versuchtem Mord liegen juristisch enorme Unterschiede. Und genau diese Unterschiede führen immer wieder dazu, dass Fälle von außen deutlich schwerwiegender wirken als ihre spätere rechtliche Bewertung.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Messergewalt ist längst kein Ausnahmephänomen mehr. Ermittler, Staatsanwälte und Gerichte haben mit solchen Fällen ständig zu tun. Was für das Opfer ein traumatisches Ausnahmeereignis ist, gehört für die Justiz zum Alltag.
Das macht die Tat nicht weniger schlimm. Es erklärt aber, warum viele Opfer schockiert sind, wenn sie sehen, wie ihr Fall später eingeordnet wird.
Wer Opfer eines Messerangriffs geworden ist, sollte sich deshalb nicht darauf verlassen, dass der Staat automatisch alle eigenen Interessen vertritt. Auch Opfer haben Rechte und sollten diese frühzeitig wahrnehmen.
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https://x.com/DuMandic/status/2070925723561267706